Wohnüberbauung Hardau I

Wohnüberbauung Hardau I, Zürich

Auftrag: offener Wettbewerb 2018, letzte Runde

Landschaftsarchitekt: planivers Landschaftsarchitekten AG

Bauherrschaft: Stadt Zürich

Nutzung: 130 Wohnungen, Gewerbe, Kindergarten

Blockrand mit drei vernetzten Höfen

Der vorgeschlagene Gebäudekomplex beginnt selbstbewusst als siebengeschossiger Baukörper an der Ecke der Hardstrasse und des Hardauparks. Es nimmt das Regelwerk der konzeptionell angelegten Blockrandstruktur auf und führt es – etlichen neu entstandenen Bauten in der näheren Umgebung gleich getan – in grösserer Gebäudehöhe fort. Die Baukörper sind so geformt und ausgerichtet, dass die Abwicklungen zum einen Wohnungen mit vielfältigen Aussenraumbezügen entstehen und dass zu anderen ein spanungsreiche Aussenräumlichkeit und Durchwegung der Anlage entsteht.

Zum Hof hin, in Richtung der Hardau-Hochhäuser, bricht die geschlossene Struktur auf und verzweigt zusammen mit einem diagonal gesetzten Hofhaus zu einem Ensemble, das in drei Bereiche aufgeteilt ist. Diese drei Höfe sind untereinander vernetzt und bilden die Kerne eines fliessenden Kontinuums von Freiräumen mit unterschiedlichen Gesichtern und Nutzungsmöglichkeiten.

Strenge Mitte, vielschichtiger Fassadenraum

Die Typologie der Wohnungen basiert auf einem einfachen, rechtwinkligen Prinzip. Der Zugang erfolgt immer zentral. Man erreicht den durchgesteckten bzw. durchwohnbaren öffentlichen Bereich der Wohnung über einen kleinen Eingangsbereich mit Garderobe. Weitere Zimmer und die Nasszelle werden über eine kleine, mittig anschliessende Raumnische erreicht.
Da die Anforderungen im Wettbewerbsprogramm äusserst knappe Wohnungsgrössen vorgegeben haben, sind die vorgeschlagenen Wohnungen quasi korridorlos aufgebaut. Die Regelzimmer sind in den meisten Fällen auf ein Mindestmass von 3 Meter Raumbreite reduziert, der Wohnraum auf knappe 3,60 Meter, Küche/Essen auf 3,20 Meter. Diese sehr enge Grundstruktur wird an beiden Fassadenseiten durch Schrägstellungen der Anschlusswände zu den Fassaden räumlich aufgebrochen. Durch diesen einfachen geometrische Trick öffnet sich die Wohnung Schritt für Schritt über mehrere Diagonalen nach Aussen: zuerst öffnet sich das Wohnzimmer seitlich in einer neuen Richtung und erzeugt das Gefühl eines Erkers. Dann schliesst der Balkon an, der sich wiederum auf die andere Seite hin öffnet. Gleiches passiert (vereinfacht) auf der Seite der Küche: eine Schräge öffnet den Blick schräg in den Strassenraum, bzw. Hofraum, der anschliessende Balkon wiederum wirft den Blick daraufhin in die andere Richtung. An den Balkonen schliesst das jeweils daneben liegende Zimmer an, so dass auch dieses über Eck einen Bezug zum Freien hat.

Gegliedertes Haus mit Krone

Die Fassade ist, wie viele der Fassaden im Quartier, massiv verputzt konzipiert. Die farbigen Putzfelder werden durch horizontale präfabrizierte Betonelemente – verwandt zum Beton des Sockels – gegliedert, die auch die Balkone bilden. Die Balkone springen zur Gebäudeflucht stets leicht hervor. So entstehen eine leichte Bewegung des an sich sehr langen Gebäudes und eine Hierarchie der Fassadengliederung, in der sich die Eingänge abzeichnen. Der Dachrand ist gegenüber je einer Balkonecke immer leicht zurückgesetzt so dass ein leichter Schwung entsteht, eine Krone, die den kräftigen Blockrand elegant nach oben abschliesst und aus der Ferne betrachtet ein wiedererkennbares Gebäude erzeugt.

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